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Zwei Fragmente der B36 an der Universitätsbibliothek Graz

Johannes Gutenberg gilt als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Sein berühmtestes Werk ist die „Gutenberg Bibel“, nach der Zeilenzahl pro Seite auch B42 genannt und zw. 1452-54 in Mainz gedruckt.

Mit Gutenberg wird eine weitere Bibel, die B36, in Verbindung gebracht, wobei seine direkte Beteiligung nicht eindeutig feststeht. Vermutlich wurde sie um 1460 in Bamberg von einem Schüler Gutenbergs (Heinrich Keffer?) hergestellt. Dabei kam der weiterentwickelte,  älteste Drucktypensatz Gutenbergs zum Einsatz. Von ca. 80 Stücken blieben 13 Papierexemplare erhalten und an die Pergamentexemplare erinnert nur eine Handvoll Fragmente.[1] Zwei davon befinden sich an der Universitätsbibliothek Graz. Sie dienen als Einbandbezüge zweier Büchlein aus dem 16./17. Jh. Diese gehörten ursprünglich Georg Ulricus, einem Schulmeister in St. Lambrecht. Nach seinem Tod gelangten sie in den Besitz des Augustinerchorherrenstifts Seckau und nach dessen Aufhebung nach Graz.

Durch die sensationelle Auffindung eines B42-Fragments in Augsburg[2] und das 800 jährige Gründungsjubiläum von Stift Seckau treten die Überreste des seltenen Drucks wieder in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit. Ihre Auffindung und Identifizierung liegt aber schon eine Weile zurück.

Bereits 1976 berichtete Zotter[3] von den beiden Einbandbezügen aus Inkunabel-Makulatur. Sie konnten im Abgleich mit der B36 der Österreichischen Nationalbibliothek als Teile von Bl. 242 aus dem 2. Bd. der Bibel identifiziert werden und beinhalten den Ecclesiasticus 49-50. Sowohl der obere Blattrand mit dem roten Kopftitel ECL, als auch der untere breite, unbedruckte Steg sind erhalten. Allerdings fehlen 10 Zeilen aus der Mitte des Textes, wobei noch einige im Überschlag des Einbandbezugs vermutet werden dürfen. Der Breite nach ist der Schriftspiegel nicht beschnitten worden, obwohl ein Textverlust durch ein Titelschild auf einem der beiden Buchrücken besteht. Der Text ist insgesamt gut erhalten, mit nur geringem Materialabrieb. Hier zeigt sich die Haftqualität der von Gutenberg entwickelten Druckerschwärze aus Leinölfirnis und Russ.  

Wie bei vielen Inkunabeln üblich, wurde die Ausstattung, die eine Orientierung innerhalb des Textes ermöglichen soll, nicht gedruckt, sondern händisch ergänzt. Das Blatt zeigt neben dem roten Kopftitel eine blaue Lombarde S am Beginn des 50. Kapitels, das zusätzlich durch die römische Zahl L in roter Tinte gekennzeichnet ist. Zusätzlich bezeichnen rote Auszeichnungsstriche die Versanfänge.

Mag. Michaela Scheibl


[1] Vgl. Kind, Helmut und Helmut Rohlfing: Gutenberg und der europäische Frühdruck. Zur Erwerbungsgeschichte der Göttinger Inkunabelsammlung. Göttingen: Wallstein Verl. 1995, S. 70ff.

[2] www.augsburger-allgemeine.de/kultur/Fragment-einer-Gutenberg-Bibel-in-Augsburg-entdeckt-id42729006.html

[3] Vgl, Zotter, Hans: Ein Blatt der 36zeiligen Bibel aufgefunden. Biblos Jg. 25 (1976), S. 321f.

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