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Zum Jahreswechsel . . .

. . . hatten sie wieder Hochkonjunktur: die guten Vorsätze für das neue Jahr, der Blick in die Sterne und die abergläubische Beobachtung von Zeichen, z. B. bei der Verwendung von Glücksbringern.

Dass es sich bei all dem nicht erst um Erscheinungen der Neuzeit handelt, zeigt ein Blick in die Seckauer Kalendarien, die im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojekts in der Abteilung für Sondersammlungen untersucht werden:

So findet sich in der Handschrift Codex Graz, UB, Ms 287 aus dem frühen 13. Jahrhundert in der Mitte jedes Monatsblattes eine Miniatur des entsprechenden Tierkreiszeichens (siehe Abbildung Jänner-Seite, mit Beschriftung „Sol in aquariu[m]“, „Sonne im Wassermann“).

Weiter hinten auf der Februar- und der April-Seite allerdings klafft ein Loch: Fische und Stier wurden von unbekannter Nutzerhand säuberlich herausgeschnitten - möglicherweise zur Verwendung als Amulett?

 

Wer sich nicht auf den günstigen Einfluss der Sterne verlassen, sondern aktiv seine Lebensführung verbessern wollte, dem wurden Monat für Monat ganz konkrete, aus der Antike stammende Gesundheitsratschläge gegeben.

Die in anderen Kalendern lateinisch gehaltene Empfehlung „Escas per Janum calidas est sumere sanum“ (etwa: „Warme Speisen im Januar: für die Gesundheit ganz wunderbar!“) steht in Ms 287 an prominenter oberster Stelle und ist sogar in mittelhochdeutscher Sprache formuliert: „Indem manot solt du niht chaltes niht ezzen.“

 

Die Zeile unmittelbar darunter - jetzt wieder lateinisch- enthält eine Warnung: „Jani prima dies et septima fine timetur“ (etwa: „Der erste Jännertag und der siebente vom Ende bringt Unglück“).

Diese beiden Termine wurden noch zusätzlich – sicher ist sicher!- in den jeweiligen Tageszeilen mit einem dezenten „D“ gekennzeichnet (abgekürzt für „dies“, „Tag“).

Gezählt wurde dabei nicht wie sonst nach römischen Kalenden, Nonen und Iden (was schon kompliziert genug gewesen wäre, siehe die Datumssäule am linken Rand), sondern „ägyptisch“: der erstgenannte Tag vom Monatsanfang, der zweitgenannte vom Monatsende her. An dieser Stelle ist also der 1. und der 25. des Monats gemeint.

Ursprünglich waren diese „ägyptischen Tage“ im Rom der Kaiserzeit einfach Ruhetage nach Senatssitzungen. Dann als Unglückstage missverstanden und durch eine dem Grammatiker Priscian zugeschriebene Dichtung als Inbegriff (pseudo)ägyptischer Weisheit überliefert, hielten sie sich in den Seckauer Kalendern immerhin bis ins 15. Jahrhundert.

Typisch esoterisch an den ägyptischen Tagen ist neben der vermeintlichen Altehrwürdigkeit und der undurchschaubaren Abfolge vor allem die Ungewissheit der drohenden Gefahr: wovor genau man sich zu hüten hatte, wurde den besorgten LeserInnen gerade nicht mitgeteilt.

 

Die zentrale, eben erst zu Weihnachten verkündete christliche Botschaft „Fürchtet euch nicht!“ ist hier offenbar ungehört verhallt . . .

 

Mag.a Margit Westermayer

 

Link zum Digitalisat: 143.50.26.142/digbib/handschriften/Ms.0200-0399/Ms.0287/index.html

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