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Jost Bürgi: Aritmetische und Geometrische Progreßs

Tabulen/ sambt gründlichem unterricht/ wie wolche nützlich in allerley Rechnungen zugebrauchen/ und verstanden werden sol. Gedruckt/ In der Alten Stadt Prag/ bey Paul Sessen/ der Löblichen Universität Buchdruckern/Im Jahr/ 1620. (UBG-SOSA, Aufstellung „Guldin Bibliothek“, I 18601)

 

Die Progreßs-Tabulen, die den Schweizer Uhrmacher und Astronomen Jost Bürgi als Entdecker der Logarithmen ausweist, zählt zu den wertvollsten Werken aus dem Nachlass des Jesuitenmathematikers Paul Guldin (1577-1643). Als Adligat dem Neuen Astrolabium von Joh. Krabbe nachgebunden, blieb es lange unbemerkt; im Nominalkatalog (1501-1982) ist es nicht verzeichnet. Erst 1982 wurden die Progreßs-Tabulen von Dr. Ernst Seidel wieder entdeckt. Eine umso bedeutendere Entdeckung, als neben dem Grazer lediglich ein Münchner und ein Danziger Exemplar bekannt sind, letzteres im 2. Weltkrieg verschollen ist und nur als unvollständige Kopie vorliegt.

Mit den Progreßs-Tabulen erstrebte Bürgi mathematische Ökonomie. Die 58 Logarithmentafeln, die geometrische und arithmetische Zahlenfolgen zeigen, sollten helfen, komplexe Rechenoperationen zu vereinfachen.[1] Dem Grazer Exemplar ist ein handschriftlicher Text von 12 Blatt nachgebunden, der mittels Rechenbeispielen in den praktischen Gebrauch einführt. Diese Unterrichtsbeilage fehlt dem Münchner Exemplar, jene des Danziger Exemplars existiert nur mehr als Druck von 1856.

Für Staudacher, der sich intensiv mit der Person und dem Werk Bürgis auseinandergesetzt hat,[2] erklärt sich die dünne Überlieferungslage und die mindere Druckqualität der Bürgischen Tabulen damit, dass es sich um einen Probedruck handelt. Zu einer regulären Auflage unter Einbeziehung des „gründlichen Unterrichts“ ist es in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges nie gekommen.

Wie einer der Probedrucke zu Guldin kam, ist ungeklärt. Eventuell führte der Weg über seinen Freund Johannes Kepler, der mit Bürgi am Hof Rudolfs II in Prag zusammenarbeitete. Er soll die Tabulen schon vor ihrem Abdruck verwendet haben. Interessanterweise fand sich im Nachlass Guldins auch die handschriftliche, deutsche Übersetzung von De revolutionibus orbium coelestium des Nicolaus Kopernicus, die heute als MS 560 in den Sondersammlungen aufbewahrt wird.  Vielleicht handelt es sich dabei um das Exemplar aus dem Besitz Bürgis, das von Nicolaus Reimers angefertigt wurde, weil Bürgi als mathematisch-astronomischer Autodidakt kaum Latein konnte.

Mag.a Michaela Scheibl


[1] Lutsdorf, Heinz und Max Walter: Jost Bürgi’s „Progress Tabulen“ (Logarithmen). Schriftenreihe der ETH-Bibliothek. 28., Zürich, ETH-Bibliothek 1992. (I 206135/28)

[2] Staudacher, Fritz: Jost Bürgi, Kepler und der Kaiser. Uhrmacher Instrumentenbauer, Astronom, Mathematiker 1552-1632. Verl. Neue Zürcher Zeitung, 2013. (I 692.990 =  SOSA HB15:769-S798)

Denis Roegel: Bürgi's "Progress Tabulen'' (1620): logarithmic tables without logarithms (Quelle: LOCOMAT)

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