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Hokuspokus?

Über den Ursprung des bekannten Zauberspruchs und die Handschrift 456

Zwar ist die Herkunft des vielerorts bekannten Zauberspruchs nicht völlig verbrieft, doch stößt man bei der Recherche nach seinen Wurzeln immer wieder auf dieselbe Geschichte. Das vom Priester gesprochene Hochgebet, das Herzstück jeder Messe katholischen Ritus’, wurde, um der Erhabenheit der Zeremonie aber auch der vermittelnden Rolle der Geistlichen mehr Gewicht zu verleihen, lediglich gemurmelt. So entstand aus jenen unverständlichen, heiligen Worten „Hoc est enim corpus meum“, die der Priester zur Wandlung sprach, das „zauberhafte“ Hokuspokus.

Welcher Stellenwert diesem Teil der Eucharistie beigemessen wurde, zeigt sich in der Auseinandersetzung mit Handschrift 456 der Universitätsbibliothek Graz deutlich. Das der Seckauer Stiftsbibliothek entstammende Missale (Messbuch) beeindruckt mit einem prachtvollen Kanonbild (179v), das die Kreuzigung Christi darstellt und der Hervorhebung des Canon missae (Hochgebets) dient. Zudem wird dies mit der aufwändigen Gestaltung der Initiale T des mit den Worten „Te igitur clementissime [...]“ (180r) beginnenden Lob- und Dankgebets unterstrichen. Diese in rot, grün und blau ausgeführte Figurinitiale stellt ebenfalls die Kreuzigung Jesu dar, die sich wiederum aus dem neutestamentarischen Symbol des Kreuzestods und dem alttestamentarischen Lamm Gottes zusammensetzt.

Ungeachtet dieser durchaus bemerkenswerten Buchmalereien zählt der um die 700 Jahre alte Kodex nicht zu den schönsten seiner Art, sondern besticht vielmehr durch seinen tadellosen Erhaltungszustand wie durch seine inhaltliche Vollständigkeit. Neben der Messordnung, dem unveränderlichen Teil der Messe, enthält er die so genannten Formulare des Tages, veränderliche Teile, die auf kirchliche Feste und Heilige Bezug nehmen, wie auch eine Sammlung weiterer liturgischer Bücher (Psalter, Evangeliar, Epistular, etc.) Teile dieser Texte sind auch mit Neumen, also graphischen Zeichen und Symbolen überschrieben, die zur Notation der Gregorianischen Choräle diente.

Beim Aufschlagen des Missales stößt man auf ein Kalendarium, das auf die Herkunft der Handschrift hinweist - die Eintragungen des Sterbetags des ersten Probstes der Abtei Seckau Wernher als auch jener ihres ersten Stifters Adalram von Waldeck sind vermerkt. Bei genauerer Betrachtung stellt man außerdem fest, dass es sich hierbei um einen „ewigen Kalender“ handelt, der nicht nur astronomische Notizen enthält, sondern in der Tradition der antiken Kalender zur Berechnung der wichtigsten religiösen Feiertage verwendet wurde. Die  beigefügten äußerst ansprechend gestaltete Ostertafel sowie eine weitere Tafel verwendete man zur Berechnung des Osterfests und sämtlicher auf Ostern folgende beweglichen Feiertage.

Der braune mit floralen Mustern dekorierte Ledereinband aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die bei der Neubindung verwendeten Fragmente einer nicht mehr in Verwendung stehenden Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, die unterschiedlichen Schriftbilder, die auf mehrere Schreiber schließen lassen, die vom täglichen Gebrauch abgenutzten Pergamentblätter, aber auch die barocke Inventarnummer auf der letzten Seite des Buchs, die das Missale als Bestandteil der Seckauer Stiftsbibliothek ausweisen, zeugen vom bewegten Leben dieser Handschrift und verleihen ihr seine Persönlichkeit.

Mag. Birgit Knauf Abschlussarbeit im Rahmen des Wahlfaches 2.3 Buch- und Bibliotheksgeschichte (ULG Library and Information Studies)

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