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Aus dem Leben einer Handschrift

Über die Entstehungsgeschichte der Seckauer Handschrift MS 286

Geschichten, die uns eine Handschrift erzählen kann, sind für die Forschung äußerst aufschlussreich, man muss „nur“ die Spuren der Zeit richtig deuten können, eine durchaus spannende Tätigkeit!

Die Handschrift mit der Signatur der MS 286 ist eine der Handschriften, die aus dem Chorherrenstift Seckau stammen. Doch wer, bzw. wo und wann wurde diese Handschrift für wen geschrieben? Des Weiteren ist dieses Brevier eine reichhaltige Quelle zur Erforschung der Musizierpraxis in Seckau.

Auffallend ist, dass diese Handschrift aus mehreren Teilen, die auch teilweise aus unterschiedlicher Zeit stammen, zusammengesetzt ist.

Die ersten beiden Teile stammen vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Anhand der Eintragungen im ersten Teil, ein Kalendarium, der Gedenktage von Heiligen und der dem Stift nahestehenden Personen, kann man erahnen, wer, wann und für welches Stift diese Eintragungen gemacht worden sind.

Ein Eintrag ist datierbar: 27.7.1142, demnach wird das Kalendarium nach/um 1142 entstanden sein. Weitere identifizierbaren Personen deuten auf ein benediktinisches Umfeld hin, wahrscheinlich aus der Gegend um Bayern. Die späteren Einträge weisen dann aber auf das Chorherrenstift Seckau hin.

Zwei besondere Einträge: Chunigunt: sie war vermutlich die erste Magistra im Frauenorden in Seckau und die Stifterin Richiza (dieser Name wurde aber wieder „ausradiert“.)

Im zweiten Teil der HS im Psalterium tauchen diese beiden Namen abermals auf. Auf einer Miniatur auf Fol. 62v ist die Madonna mit dem Kinde abgebildet und zu beiden Seiten davor kniend 2 Chorfrauen, welchen mit den Namen Chunigunt und Richiza versehen sind.

Dieser zweite Teil, der knapp 2/3 der Handschrift ausmacht, ist ein vollständiges Psalterium. Wunderbar verziert mit drei Miniaturseiten, in den Farben grün, blau und rot gehalten und kunstvoll historisierte Initialien von gleicher Hand wie die Miniaturseiten, teilen das Psalterium für Seckau ungewöhnlicher Weise in drei Teile, was einen weiteren Schluss zulässt, dass diese beiden Teile im Süddeutschen Raum entstanden sind und erst später nach Seckau kamen.

Und nun zum dritten Teil der Handschrift, welcher allerdings deutlich später hinzugekommen ist. Aus dem 15./16. Jahrhundert stammend ist dieser Teil ein Brevier mit Totenoffizium, Allerheiligenlitanei und Hymnarium, in dem im Fließtext auffallend viel Notentext in Hufnagelnotation verzeichnet ist. Der Hauptschreiber dieses Teiles hat durchaus auch seine Spuren im zweiten Teil hinterlassen. Er hat nämlich im Psalterium, in den Randglossen die Anfänge der Antiphonalgesänge nachträglich dazu notiert. Scheinbar sollten diese beiden, zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Teile bei Verfassung des 3. Teiles zusammengesetzt werden. Diese Antiphone im Psalterium weisen viele Parallelen zu den Antiphonen aus dem Salzburger Liber Ordinarius A-Su M II 6, welches vollständig erhalten ist, hin.

Diese „Spur“ erzählt uns also, dass in Seckau bis ins 16. Jahrhundert hinein, die Salzburger Form der Offizien praktiziert wurde. [1]

Ingrid Naftz BA, Abschlussarbeit im Rahmen des
Wahlfaches 2.3 Buch- und Bibliotheksgeschichte (ULG Library and Information Studies)

 

[1] Vgl. Réka Miklós. Der Seckauer Liber Ordinarius A-Gu 1566. Dissertation Kunstuniversität Graz, 2016. Band I, S 298. 

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